Lernblog zum 09.05.2016

Im Zentrum des letzten Seminars stand der sogenannte „engaged buddhism“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine buddhistische Tradition, die sich bei der Ausbreitung verstärkt nach westlichen Ländern in den 60er und 70er Jahren orientiert hat. Ein bestimmendes Konzept ist ein verstärktes soziales Engagement. Man wollte sich vermehrt in die Gesellschaft einbringen und ihr Helfen (dies auch vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges). Weiter gibt es auch eine Hinwendung zum christlichen Glauben. Diese wird vor allem von dem vietnamesischen Mönch Thích Nhất Hạnh propagiert, dem eine wichtige Rolle in dieser Synthese, aber auch generell im Buddhismus zu kommt.

Was heißt soziales  Engagement nun konkret? Wie äußert sich eine Hinwendung zur Gesellschaft, wenn doch der Glaube zwar pazifistisch, aber eher in sich gekehrt ist und manchmal auch elitäre Züge trägt? Wenn man sich auf den Webseiten von „engaged buddhism“-Gruppen wie „Wake up“ (http://www.wkup.org/) umschaut, wird sich auf die vier edlen Weisheiten und den achtfachen Pfad berufen. Nur liegt in ihnen in diesem Fall der Schlüssel die Gesellschaft zu einem friedlicheren und ausgeglichenem Leben zu führen. Die „Five Mindfulness Trainings“ (True Love, True Happiness, Reverence for Life, Loving Speech und Deep Listening, Nourishment and Healing), sind dafür da “to cultivate the insight of interbeing, or Right View, which can remove all discrimination, intolerance, anger, fear, and despair.”¹ Somit werden auch explizit gesellschaftliche Probleme angesprochen, gegen die mit der buddhistischen Lehre vorgegangen werden soll. Dieser hauptsächlich von Konvertiten geführte Zusammenschluss, agiert weltweit und fördert beispielsweise ökologische Projekte in Mexiko.

Auch in Deutschland agieren engagierte Buddhisten. Es gibt unzählige Zusammenschlüsse und Vereine, die sich mit Hilfe für Länder in Tibet, Nepal oder Sri Lanka, Für Tierschutz, oder behinderte Kinder einsetzten. Dies sind nur einige Beispiele, und sollen das breite Spektrum aufzeigen, welches bei weiterer Recherche als noch breiter ergibt. Als Mittel werden also konkret Vereine (häufig sogar e. V.’s) gegründet um aktiv in der Gesellschaft zu helfen.

¹ http://www.wkup.org/about/five-mindfulness-trainings/, Eingesehen 23.05.2016

Weitere Quellen hierzu:

http://www.wkup.org/

http://buddhanetz.org/

http://www.bpf.org/

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Lernblog zum 02.05.2016

Die dritte große Tradition innerhalb der Buddhismen ist die Vajrayana Tradition. U. a. weil der Dalai Lama das Oberhaupt einer der tibetischen Vajrayana-Schulen ist, erhält diese Traditionen eine große mediale Aufmerksamkeit, vor allem im „Westen“. Ein weiteres Merkmal ist der Fokus auf praxisbezogene Visualisierungstechniken. Diese Techniken dienen der Visualisierung von Buddhas Lehre. Gerade im „Westen“ erfahren diese Techniken eine Loslösung aus dem buddhistischen, ja manchmal sogar aus dem religiösen (bzw. spirituellen) Kontext.

Gerade der Praxis-Aspekt macht das Ganze für Menschen, die nach einer sinnlich erfahrbaren Spiritualität oder Religion streben so interessant, weswegen diese tantrischen Hilfsmittel gerne in esoterischen Kreisen verwendet werden. Dabei sind sie meistens – wie schon erwähnt – losgelöst vom buddhistischen Kontext. Mir selbst fällt bei dieser Rezeption auf, das ich viele Aspekte gar nicht mehr unbedingt mit buddhistischer Tradition in Verbindung bringen würde bzw. nie in Verbindung gebracht habe. „Om“ – die heilige Silbe –  z. B., ist zentral für die Mandren. Mandren sind Wörter und Silbenkombination, die eine Visualisierungstechnik innerhalb des Vajrayana darstellen. Ich habe damit zwar Meditation und Entspannungstechniken in Verbindung gebracht, aber von deren Wurzel in einer Buddhistischen Tradition wusste ich nichts. Ähnlich ist es mit den Mandalas. Sie stellen einen kosmischen Raum und Land eines Gottes (Buddha) dar. Ich kenne diese Tradition lediglich als kreisförmiges Ausmalbild aus der Grundschule, das mit den buddhistischen Mandalas nicht viel gemein hat. Letzteres symbolisiert für mich eine endgültige Abkapselung einer Tradition und ihre Integration in einen völlig neuen Kontext (eben das Malen in der Grundschule). Diese Bemächtigung ist durchaus legitim. Wenn sich Religionen begegnen, werden häufig alle passenden Aspekte integriert. Dennoch ist es finde ich wichtig, die Hintergründe zu hinterfragen und zu vergegenwärtigen.

Lernblog zum 25.04.2016

Mahayana ist die zweite große „Konfession“ innerhalb der verschiedenen Buddhismen, mit denen sich im Seminar beschäftigt wurde. Nach der ersten bereits erwähnten Abspaltung unter den Gläubigen bezeichnete sich dieser Buddhismus als „Mahasanghika“, also „die große  Gemeinde“. Daraus entwickelte sich dann der Mahayana-Glaube.

Im Folgenden möchte ich auf einen Aspekt dieser Ausrichtung eingehen, der mir neu war, dem Bodhisattva. Bodhisattva bedeutet so viel wie „Erleuchtungswesen“ oder „Wesen der Erleuchtung“ (Bodhi = Erleuchtung, Sattva = Wesen). Dieses Wesen ist ein Anwärter auf eine Buddhaschaft. Ein Bodhisattva ist eine Gestalt die aber trotzdem parallel zum Glauben an einen oder mehrere Buddhas im Mahayana existiert. Die zentrale Idee im Glauben an die Boddhisattvas ist, dass diese Wesen nicht nach einer Befreiung aus dem Saṃsāra allein für sich selbst streben. Wenn sie nach der Erleuchtung kurz davor sind in das Nirvana einzutreten, wenden sie sich aus Mitleid für die Menschen ab. Sie bleiben also so lange im Reinkarnationskreislauf, bis sie allen Menschen ins Nirvana verholfen haben. Da dies ein relativ langer Zeitraum ist, wird nicht spezifiziert wie viele Menschen es geben wird. Unendlich gilt hier nur als Platzhalter für eine große Anzahl. Diese „Hilfe“, die die Boddhisattvas geben praktizieren sie durch die so genannten sechs bzw. zehn „Vollkommenheiten“: Geben, Sittlichkeit, Geduld, Willensstärke, Meditation und Weisheit. Zu dieser Praxis traten im Verlauf auch noch die richtige Methode, Gelübde, Stärke und Wissen hinzu.

 

Weiterführende Informationen in diesem Text stammen von:

www.psychologische-praxis.rielaender.de/Literatur/Bodhisattva.pdf, Eingesehen 02.05.2016

Lernblog zum 18.04.2016

In den buddhistischen Religionen gibt es zwei Hauptströmungen. Meiner Meinung nach können sie in etwa als „Konfessionen“ umschrieben werden. Die beiden Ausrichtungen heißen Theravada und Mahayana. Beiden liegt der Glaube an das Nirvana zu Grunde und darauf hin auch der Glaube an die vier edlen Weisheiten des Buddha. Mahayana bedeutet so viel wie „Großes Fahrzeug“. Theravada hingegen bedeutet so viel wie „Kleines Fahrzeug“ und wird von der Mahayana-Glaubensrichtung auch abwertend als Hinayana („mangelnde Lehre“) bezeichnet. Dies hat für mich die Frage aufgeworfen: Gibt es (vielleicht noch heute) Glaubens-Konflikte zwischen den verschiedenen Buddhismen? Woran könnten sich Religionsgruppen stoßen, die als besonders besonnen und pazifistisch gelten?

Zu Anfang steht ein Konflikt. Dies ist nachvollziehbar, denn ein Glaube spaltet sich in der Regel eher auf, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Diese Aufspaltung erfolgte rund hundert Jahre nach Buddhas Tod, eben durch einen Konflikt zwischen Glaubensanhängern. Neben der Verwendung von Geld, oder das Trinken von Palmwein, stand auch zur Debatte ob lediglich Mönche, oder alle Menschen das Nirvana erreichen könnten. Die Theravada-Anhänger waren der Meinung nur Mönche, dürften dies, die Mahayana-Änhänger plädierten für alle Menschen.[1] Der Streitpunkt lässt sich also auf elitäres Denken und Exklusivität zurückführen. Einen Konflikt in heutiger oder jüngster Zeit in ideologischen oder gewalttätigen Dimensionen vergleichbar mit anderen Weltreligionen scheint es zwischen diesen beiden Gruppen nicht zu geben. Auf einer interreligiösen Ebene sieht dies schon anders aus, wenn man sich die Unruhen zwischen Buddhisten und Muslimen in Ländern wie Birma oder Sri Lanka in den letzten Jahren anschaut. Hierzu sei auf einen Artikel verwiesen.[2]

 

[1]http://www.ga.og.bw.schule.de/hp/unterricht/faecher/religion/scheufele/weltreligionen/buddhismus/verbreitung.htm, Eingesehen 24.04.2016

[2]http://info-buddhismus.de/Gewalt-in-Sueddostasien_Interview-mit-Thierry_Dodin.html, Eingesehen 24.04.2016

Lernblog zum 11.04.2016

Buddhismus. Eine Religion, mit der ich persönlich nur Schlagworte verbinde: Buddha, Dalai Lama, Nirvana, Wiedergeburt. Die geografische Verortung in Asien kommt natürlich auch noch dazu. Alles in allem beschränkt sich mein Wissen also mehr oder weniger auf westliche Klischees. Deshalb ist es höchste Zeit tiefer in die Materie einzutauchen. Mit dem Seminar „Buddha, Dharma, Sangha – Einführung in eine Anthropologie der Buddhismen“ erhoffe ich mir einen weniger stereotypen und wissenschaftlichen Eindruck dieser Religion zu erhalten.

Im Mittelpunkt des Einstiegs in das Seminar stand die Gründung des Buddhismus – im weiteren Verlauf des Blogs verwende ich den Begriff „Buddhismen“, der davon absieht diese Religion als monolithisch und einheitlich zu betrachten – durch Buddha bzw. Siddharta Gautama. Dessen Geburtsdatum ist umstritten, soll aber um die Begründung historisch einzuordnen trotzdem genannt werden. In der westlichen Forschung geht man von dem Jahr 563 v. Chr. aus. Als wichtige Glaubensvorstellungen der Buddhismen sollten das Nirvana, das Karma, der achtfache Pfad und die vier edlen Weisheiten genannt werden. Im Folgenden werde ich kurz auf das Konzept des Nirvanas eingehen, da ich zuvor eine ganz andere Vorstellung von diesem Begriff hatte.

Das Nirvana ist erst einmal kein Ort – dies war meine erste Annahme – sondern ein Zustand. Zu Beginn steht die Vorstellung, dass es einen Geburtenkreislauf gibt („Saṃsāra“). Dieser führt sich endlos für alle Lebewesen fort. Das Ziel eines Buddhisten ist es die Erlösung von Wiedergeburt und Leid – Leben heißt Leiden – zu erlangen. Diese Erlösung erlangt man durch die Verwirklichung seines Güte- und Glückpotentials. Erst wenn man sein Potential vollends ausgeschöpft hat erreicht man den Zustand des Nirvanas. Die Buddhismen sehen in den vier edlen Wahrheiten und dem achtfachen Pfad Richtlinien dies zu verwirklichen. Zum besseren Verständnis füge ich hier eine Erklärung (die ich bei meiner Recherche gefunden habe) des Lebensrades an, das diese Konzepte zusammenfasst und der Mittelpunkt der buddhistischen Glaubensvorstellungen ist.

rad_des_lebens

Die Erläuterungen der Zahlen finden sich auf der Webseite.

http://www.nepalwelt.de/site_rad_des_lebens.htm