Fazit zum Lernblog

Zu Beginn meines Blogs stand für mich die Frage, was Buddhismus abseits von klischeebehafteten Schlagwörtern wirklich ist. Gibt es den Buddhismus überhaupt? Letztere Frage konnte das Seminar mit einem klaren Nein beantworten. Es gibt neben den drei Hauptströmungen (Teravada, Mahayana und Vajrayana) viele andere Unterteilungen und Ausrichtungen. Hinzu kommen die verschiedenen nationalen Ausrichtungen, die teilweise Synkretismen mit animistischen Traditionen und anderen Religionen ergeben, „westliche“ Adaptionen, konservative und weniger konservative Kräfte.

Der Buddhismus ist also kein monolithischer Blog, der allein innere Ausgeglichenheit predigt. Stattdessen – so wurde es im Seminar vermittelt – sollte man eher von Buddhismen sprechen, also verschiedene Ansätze innerhalb dieser Religion. Das wir dies herausgearbeitet haben, hat bei mir zu einem sehr differenzierten Blick auf dieses Thema geführt und meine im Blog eingangs gestellte Fragestellung hinreichend beantwortet.

Buddhismen fußen natürlich auch auf Gemeinsamkeiten. Wenn man das Seminar überblickt sind dies vor allem die Konzepte der Wiedergeburt, des Karmas, des Nirvanas, sowie die vier edlen Wahrheiten Buddhas und der achtfache Pfad. Außerdem finden sich auch Gemeinsamkeiten in der Geschichte der Religion (wie z. B. die verschiedenen Stationen im Leben Buddhas).

Die Aspekte des Karmas und der Wiedergeburt (beides Elemente die durchaus mit Klischees behaftet sind) konnten für mich verständlich beantwortet werden. Das Leben ist ein Geburtenkreislauf, eine „endlose Wanderung“ (Samsara), der als Leid betrachtet wird. Um diesem Leid zu entkommen ist das Karma wichtig. Das Karma ist eine art universales Gesetzt: Gute Taten haben gute Folgen, schlechte Taten haben schlechte Folgen. Als Ziel steht über allem das Nirvana, was im Übrigen kein Ort ist, wie ich zu Anfang dachte, sondern ein Zustand. Erreicht wird das Nirvana durch die vier edlen Wahrheiten und der achtfache Pfad.

Die vier edlen Weisheiten liegt die Annahme zu Grunde, dass das Leben als Mensch Leiden ist. Physisches, emotionales und existentielles Leiden bestimmen das Leben (Dukkha, die erste Wahrheit). In einem weiteren Schritt wird die Entstehung des Leidens anerkannt (Samudaya, die zweite Wahrheit). Leiden entsteht aus Begehren, dem Verlangen nach sinnlichen Freuden und Zerstörung, welche aus den drei Wurzeln des Bösen (Hass, Verblendung und Gier) entstehen.

Die Aufhebung des Leidens (Nirodha, die dritte Wahrheit) kann nur durch das Erreichen des Nirvanas eintreten. Die vierte edle Wahrheit ist die des Wegs (Magga), also dem Weg zum Nirvana. Die vier edlen Weisheiten sollen also einen Erkenntnisprozess in Gang setzten, der zentral für die meisten Buddhismen ist. Der Weg zum Nirvana ist der achtfache Pfad, welcher im Grunde ein ethischer Kodex ist, der friedliches und besonnenes Verhalten (Sittlichkeit), Weisheit und die Versenkung ins Innere (Meditation) beinhaltet.

Schon diese Grundfesten sind nicht unbedingt einfach zu verstehen und durchaus komplex. Es war schwierig sich mit diesen Konzepten (und anderen) auseinander zusetzten. Einerseits, da ich selber nicht viel Vorwissen hatte und diese Vorstellungen mit „westlichen“ Begriffen nur unzulänglich fassbar gemacht werden können. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass es kaum wissenschaftlich fundiertes Material zu diesem Thema gibt. Dies ist eigentlich verwunderlich, da man sich ja schon seit dem 19. Jahrhundert mit der buddhistischen Religion im „Westen“ beschäftigt. So hatte ich mehrfach im Seminar das Gefühl, das man eher in einem „pseudo-wissenschaftlichen“ Rahmen gearbeitet hat und auf einige Fragen in den Diskussionen ließen sich auch keine Antworten finden. Vielleicht wäre es an einigen Stellen schon gut gewesen, wenn man mehr Texte zum Lesen gehabt hätte.

Der Ablauf des Seminars war gut strukturiert und man hatte einen gut zu verfolgenden roten Faden, in dem alle Aspekte (Geschichte, Konzepte, Strömungen, Ausrichtungen) abgedeckt waren. Hin und wieder hätte ich mir mehr Anreize zu Diskussionen gewünscht, welche in diesem Seminar eher wenig stattfanden. Dies mag vielleicht aber auch an dem fehlenden Vorwissen der Teilnehmer gelegen haben. Denn Besuch einer buddhistischen Tradition in Hamburg fand ich sehr interessant und spannend (was ich in den Blogs zuvor bereits erzählt habe). Das einige der Gruppen eher weniger gute Erfahrungen bei ihren Besuchen gemacht haben, ist natürlich schade.

Das Erstellen des Lernblogs hat sehr viel stärker zu einer Selbstreflexion des Themas bei mir geführt. Stärker, als es eine Hausarbeit getan hätte. Und so habe ich das Gefühl trotz gewisser Hürden einen breiten und differenzierten Einblick in das Thema Buddhismus bekommen zu haben.

Blogeintrag zum 11.07.2016

Die Vielzahl der verschiedenen Einrichtungen die von den Seminarsteilnehmern besucht worden war, ergibt ein sehr heterogenes Bild des Buddhismus in Hamburg (vielleicht auch insgesamt in Deutschland). Auffällig war die leichte Überzahl der von Deutschen gegründeten Gemeinden bzw. Einrichtungen. Wat Buddhabharami, welche meine Gruppe besucht hat als thailändische Anlaufstelle war fast schon die Ausnahme. Insbesondere viel auch eine starke Fokussierung auf Meditationstechniken auf (Haus der Stille, Zen-Dojo).

Es scheint also zumindest bei Hamburger Konvertiten (vielleicht auch im ganzen „Westen“) so zu sein, dass Patchwork-Religion und synkretistische Elemente eine viel größere Rolle spielen, als beispielsweise der Buddhismus, den wir auf unserem Erkundungsgang kennengelernt haben. Dies ist im Zeitalter von esoterischen Bewegungen nicht verwunderlich. Außerdem sind als Mönch, oder selbst als Laie bestimmte buddhistische Aspekte (Anti-Materialismus, Aufwendung von Zeit fürs Meditieren) nicht mit einem „westlichen“ Lebensstil vereinbar.

Beeindruckend im speziellen fand ich das buddhistische Zentrum Hamburg. Bei dem Referat hat sich für mich ein Bild gezeichnet, das mich sehr an fundamentale Religionsstrukturen erinnert hat (was nicht zwangsweise heißen muss das dieses Zentrum fundamental ist). Insbesondere die Bereitstellung von WG-Zimmern – was nichts anderes als eine starke Bindung an den Verein nach sich zieht – und das nach außen gewandte Image mit Vorträgen und Workshops, finde ich hat einen komischen Beigeschmack.

Blogeintrag zum 04.07.2016

Im Folgenden möchte ich ein Fazit zu unserem Besuch beim Wat Buddhabharami geben. Für mich war dies die erste Möglichkeit „ins Feld“ zu gehen. Deswegen war diese Aktion für mich spannend und ich finde es gut, dass wir diese Möglichkeit bekommen haben.

In den vorherigen Blogs hat sich herauskristallisiert, dass ich sehr von der Offenheit der Mitglieder erstaunt war. Erwartet hätte ich (auch im Kontext einer nicht deutschen Gemeinde) eine eher abgeschottete Gruppe. Umso mehr habe ich mich gefreut freundlich begrüßt worden zu sein.

Mit einer aktiven Einbindung in den Gemeinde-Alltag hatte ich nicht gerechnet. Beim ersten Verbeugen und Rezitieren der Sutren hat man sich schon komisch gefühlt, was sich im Laufe der Essensübergabe-Zeremonie aber geändert hat, da man ohne viel Bedenken integriert wurde und man sich nicht so „fehl am Platz“ gefühlt hat.  Auch als Atheist muss ich sagen, dass diese Zeremonie eine Atmosphäre hatte, die eine höhere Spiritualität vermittelt hat. Beeinflusst wurde dies sicherlich durch die Rezitation der Sutren und der allgemeinen „Fremdheit“ des Erlebten. So hat man ein bisschen am eigenen Leib erfahren warum buddhistische Praktiken im „Westen“ so beliebt sind, eben weil sie ganz anders an das Thema Spiritualität ansetzten.

Ebenfalls hat mich die sehr offene Art unserer Ansprechpartner gefreut, da sie uns quasi das ganze Gelände und alle Räume gezeigt haben und uns eigentlich alles beantwortet haben was wir wissen wollten.

Lernblog zum 27.06.2016

Auch in diesem Blog möchte ich weiter über Den Tempel-Besuch berichten. Zum Sangha (der Gemeinde) gehören sowohl Frauen, als auch Männer, wie auch Kinder, wobei Frauen etwas in der Überzahl sind. Außerdem waren unter den Anwesenden auch einige Familien. Als wir zu Besuch waren, waren etwa 15 Leute bei der Essensübergabe-Zeremonie da. Am Wochenende oder bei Feiern kommen allerdings noch mehr. Dann werden auch die etwas größeren Räumlichkeiten nebenan aufgesucht. Manchmal wird auch auf eine größere Halle in Wandsbek ausgewichen. Zu den Festen und Zeremonien kommen zudem nicht nur Thailänder sondern auch (deutsche) Konvertiten.

Wie schon angedeutet sind Frauen besonders im Bezug auf die Mönche doch klar untergeordnet und gelten als unrein, wie uns unsere Ansprechpartnerin erklärte. So dürfen Frauen dem Mönch das Essen nicht überreichen, oder mit ihm am gleichen Tisch sitzen. Auch wenn es bei der Glaubenspraxis  eher so wirkte, als ob die Gemeinde eher strenggläubig sei, schienen alle relativ unterschiedliche Auffassungen von „Strenge“ zu haben. Außerdem wurde betont, dass alle Menschen willkommen sind, ob nun gläubig oder nicht. Finanzieren tut sich die Gemeinde ausschließlich aus Geld- und Sachspenden

Die Essensübergabe an die Mönche ist die zentrale Zeremonie. Sie findet jeden Morgen statt, wobei um 10:00 Uhr die Vorbereitung startet und um 11:00 Uhr dann das Essen überreicht wird und Sutren von den Mönchen und dem Sangha rezitiert werden. Die Mönche können dann von Allem nehmen und tun es in einen Kessel. Für den Rest des Tages dürfen sie nun nichts mehr  essen. Lediglich bei großer Schwäche ist es erlaubt Eis zu essen.

Des Weiteren werden die „üblichen“ thailändischen Feiertage wie Neujahr und der Geburts- und Todestag Buddhas gefeiert. Außerdem werden noch weitere Feste gefeiert: Visakha Puja („Puja“ bedeutet so viel wie „Ehrerweisung“), dem Nationalfeiertag, der die Geburt, Erleuchtung sowie den Eingang ins Nirvana des Buddha markiert; das Asalha Puja, was an Buddhas erste Rede nach seiner Erleuchtung erinnert; Khao Pansa, den Beginn der Regenzeit und Ook Pansa ihr Ende.