Lernblog zum 06.06.2016

Selbst wenn eine Religion in ihren Grundfesten als vorbildlich, friedlich und Gütig anzusehen ist, gibt es (in jeder Religion) doch irgendwo in den Glaubenssätzen einen Haken. Natürlich hängen diese auch von der Interpretationsweise ab. Im Buddhismus findet sich dieser Haken meiner Meinung nach in der Übergeordneten Rolle des Mannes bzw. der untergeordneten Rolle der Frau. Wenn man sich das Beispiel der südostasiatischen Länder (in diesem Fall Thailand) anguckt, so hat die Frau zwar eine relativ starke – u. a. durch Matrilokalität und Matrilinität bedingte – Rolle in der Gesellschaft. Der buddhistische Glaube wird dennoch von Männern dominiert.

So heißt es, dass Männer die Lehren Buddhas besser ausführen können. Außerdem werden Frauen als „unrein“ angesehen. Diese „Unreinheit“ wird Frauen u. a. wegen der Menstruation und dem Gebären von Kindern (dem „In-die-Welt-setzen von Leid“) nachgesagt. Frauen können in Thailand lediglich den Status eines Laien erreichen. Die versuche einen Nonnen-Orden zu gründen scheiterten, denn den Frauen wurde nachgesagt, dass sie das Leben von Mönchen nur nachamten. Dies ist in Thailand strafbar. Der Staat verbot den Orden und es kam nie zu einer wirklichen Gründung. In Sri Lanka hingegen existiert sein 1998 die Vollordination von Nonnen in der Teravada-Tradition.

Insbesondere das der „Unreinheit“ spielte im Zusammenhang mit unserem Besuch einer buddhistischen Tradition¹ für mich eine nicht unwichtige Rolle, da sie in mir eine gewisse Befremdung hervorrief. Wir wurden bei der Ankunft direkt in die Essensübergabe an die Mönche integriert und ich wurde von unserer Ansprechpartnerin aufgefordert dem Mönch die Speisen zu reichen, da sie es – eben aus dem Grund der „Unreinheit“ – nicht machen durfte. Auch wenn es mich nicht davon abgehalten hat, dies zu tun, war das für mich schon ein merkwürdiger Moment. Später im Interview wurde dieses Thema noch einmal gestreift, und unsere Ansprechpartnerin sagte selber, dass Frauen nicht rein seien und mit dem Mönch keinen direkten Kontakt haben dürften. Die Frage wie sie dies findet, die mir dann in den Kopf kam, habe ich letztendlich nicht gestellt, da es mir irgendwie nicht angebracht schien.

¹ Unsere Gruppe hat eine thailändische Einrichtung der Teravada-Tradition besucht. http://watwbh.com/index.php/en/8-%E0%B8%9B%E0%B8%A3%E0%B8%B0%E0%B8%A7%E0%B8%B1%E0%B8%95%E0%B8%B4%E0%B8%A7%E0%B8%B1%E0%B8%94%E0%B8%9E%E0%B8%B8%E0%B8%97%E0%B8%98%E0%B8%9A%E0%B8%B2%E0%B8%A3%E0%B8%A1%E0%B8%B5%E0%B8%AE%E0%B8%B1%E0%B8%A1%E0%B8%9A%E0%B8%A7%E0%B8%A3%E0%B9%8C%E0%B8%81.html

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