Lernblog zum 13.06.2016

In diesem Blogeintrag möchte an das anknüpfen, was ich in meinem letzten Eintrag schon angeschnitten hatte: Meine Erfahrungen und Eindrücke vom Tempel-Besuch.

Während wir noch auf unsere Ansprechpartnerin gewartet haben, saßen wir in einem der beiden Häuser des Grundstücks (welches für größere Veranstaltungen genutzt wird). Eine handvoll Erwachsene und Jugendliche haben hier auf Xylophonen und Hackbrettern musiziert. Leider ist im Interview später untergegangen was für und in welchem Rahmen hier Musik gemacht wird. Die Personen die uns rumgeführt haben sagten nur, dass man auch zum Musizieren so vorbeikommen kann, was darauf schließen lässt das hier auch Unterricht angeboten wird.

Wir wurden sehr freundlich empfangen und mehr oder weniger auch gleich in die Zeremonie der Essensübergabe an die Mönche, die im anderem Haus (einem Zwei-Familien-Haus) stattfand „integriert“. Vor dem betreten sollten wir die Schuhe ausziehen und dann im Raum auf die Knie gehen und uns drei Mal mit aneinander gelegten Händen verbeugen. Wir bekamen ein Heft mit Sutren, die von den zwei Mönchen und dem Rest der Gemeinde (etwa 12 Personen) bereits rezitiert wurden als wir eintraten. Anfangs war es schwer dem Gesang zu folgen, aber dann klappte es immer besser. Alles in allem hat sich das Rezitieren weniger befremdlich angefühlt als ich erwartet hätte. Natürlich hat die bedenkenlose Integration von Besuchern mich ein bisschen aus dem Konzept gebracht, da ich dies so nicht erwartet hatte.

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Lernblog zum 06.06.2016

Selbst wenn eine Religion in ihren Grundfesten als vorbildlich, friedlich und Gütig anzusehen ist, gibt es (in jeder Religion) doch irgendwo in den Glaubenssätzen einen Haken. Natürlich hängen diese auch von der Interpretationsweise ab. Im Buddhismus findet sich dieser Haken meiner Meinung nach in der Übergeordneten Rolle des Mannes bzw. der untergeordneten Rolle der Frau. Wenn man sich das Beispiel der südostasiatischen Länder (in diesem Fall Thailand) anguckt, so hat die Frau zwar eine relativ starke – u. a. durch Matrilokalität und Matrilinität bedingte – Rolle in der Gesellschaft. Der buddhistische Glaube wird dennoch von Männern dominiert.

So heißt es, dass Männer die Lehren Buddhas besser ausführen können. Außerdem werden Frauen als „unrein“ angesehen. Diese „Unreinheit“ wird Frauen u. a. wegen der Menstruation und dem Gebären von Kindern (dem „In-die-Welt-setzen von Leid“) nachgesagt. Frauen können in Thailand lediglich den Status eines Laien erreichen. Die versuche einen Nonnen-Orden zu gründen scheiterten, denn den Frauen wurde nachgesagt, dass sie das Leben von Mönchen nur nachamten. Dies ist in Thailand strafbar. Der Staat verbot den Orden und es kam nie zu einer wirklichen Gründung. In Sri Lanka hingegen existiert sein 1998 die Vollordination von Nonnen in der Teravada-Tradition.

Insbesondere das der „Unreinheit“ spielte im Zusammenhang mit unserem Besuch einer buddhistischen Tradition¹ für mich eine nicht unwichtige Rolle, da sie in mir eine gewisse Befremdung hervorrief. Wir wurden bei der Ankunft direkt in die Essensübergabe an die Mönche integriert und ich wurde von unserer Ansprechpartnerin aufgefordert dem Mönch die Speisen zu reichen, da sie es – eben aus dem Grund der „Unreinheit“ – nicht machen durfte. Auch wenn es mich nicht davon abgehalten hat, dies zu tun, war das für mich schon ein merkwürdiger Moment. Später im Interview wurde dieses Thema noch einmal gestreift, und unsere Ansprechpartnerin sagte selber, dass Frauen nicht rein seien und mit dem Mönch keinen direkten Kontakt haben dürften. Die Frage wie sie dies findet, die mir dann in den Kopf kam, habe ich letztendlich nicht gestellt, da es mir irgendwie nicht angebracht schien.

¹ Unsere Gruppe hat eine thailändische Einrichtung der Teravada-Tradition besucht. http://watwbh.com/index.php/en/8-%E0%B8%9B%E0%B8%A3%E0%B8%B0%E0%B8%A7%E0%B8%B1%E0%B8%95%E0%B8%B4%E0%B8%A7%E0%B8%B1%E0%B8%94%E0%B8%9E%E0%B8%B8%E0%B8%97%E0%B8%98%E0%B8%9A%E0%B8%B2%E0%B8%A3%E0%B8%A1%E0%B8%B5%E0%B8%AE%E0%B8%B1%E0%B8%A1%E0%B8%9A%E0%B8%A7%E0%B8%A3%E0%B9%8C%E0%B8%81.html

Lernblog zum 30.05.2016

Die thailändische Tradition der Waldmönche zeichnet sich durch eine Abgeschiedenheit von der Gesellschaft aus. Eben in Wäldern versucht man die Lehre Buddhas abgewandt vom weltlichen Leben zu praktizieren (obwohl auch hier die Mönche zu den Menschen gehen um Essen zu erbeten). Das dies heute kaum noch möglich ist, ist offensichtlich, denn selbst in Thailand gibt nicht mehr allzu viele unberührte Wälder. Ein weiterer Punkt ist, dass diese Tradition begründet wurde um der staatlichen Bevormundung zu entkommen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Gründerzeit eines ersten Waldordens, war dies vielleicht noch möglich, aber durch die zunehmende Kontrolle des Staates wurden diese Mönche ihm ein Dorn im Auge.

Es geht hierbei nicht nur um die Kontrolle über eine Religion. Vielmehr ist Säkularisierung, die eine solche Kontrolle ja ausschließen würde, in Thailand nicht unbedingt gegeben, den in der Verfassung von 1978 heißt es: „Der König muss sich zur buddhistischen Lehre bekennen und ist Hüter der Religion“. In erster Linie geht es hier darum, dass der Staat Kontrolle über die Menschen hat, die in seinem Territorium leben. Die Frage ist, ob dies nicht zu weit führt. Die Aufnahme von Personalien, Registrierung von Standorten oder die End-Nomadisierung von ganzen Ethnien, wurde in den letzten Jahrhunderten massenhaft durchgeführt nur um Kontrolle zu erlangen, obwohl dies einen wesentlichen Eingriff die Lebensweise und (im Falle der thailändischen Waldmönche) in die freie Entfaltung bedeutet.

Lernblog zum 09.05.2016

Im Zentrum des letzten Seminars stand der sogenannte „engaged buddhism“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine buddhistische Tradition, die sich bei der Ausbreitung verstärkt nach westlichen Ländern in den 60er und 70er Jahren orientiert hat. Ein bestimmendes Konzept ist ein verstärktes soziales Engagement. Man wollte sich vermehrt in die Gesellschaft einbringen und ihr Helfen (dies auch vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges). Weiter gibt es auch eine Hinwendung zum christlichen Glauben. Diese wird vor allem von dem vietnamesischen Mönch Thích Nhất Hạnh propagiert, dem eine wichtige Rolle in dieser Synthese, aber auch generell im Buddhismus zu kommt.

Was heißt soziales  Engagement nun konkret? Wie äußert sich eine Hinwendung zur Gesellschaft, wenn doch der Glaube zwar pazifistisch, aber eher in sich gekehrt ist und manchmal auch elitäre Züge trägt? Wenn man sich auf den Webseiten von „engaged buddhism“-Gruppen wie „Wake up“ (http://www.wkup.org/) umschaut, wird sich auf die vier edlen Weisheiten und den achtfachen Pfad berufen. Nur liegt in ihnen in diesem Fall der Schlüssel die Gesellschaft zu einem friedlicheren und ausgeglichenem Leben zu führen. Die „Five Mindfulness Trainings“ (True Love, True Happiness, Reverence for Life, Loving Speech und Deep Listening, Nourishment and Healing), sind dafür da “to cultivate the insight of interbeing, or Right View, which can remove all discrimination, intolerance, anger, fear, and despair.”¹ Somit werden auch explizit gesellschaftliche Probleme angesprochen, gegen die mit der buddhistischen Lehre vorgegangen werden soll. Dieser hauptsächlich von Konvertiten geführte Zusammenschluss, agiert weltweit und fördert beispielsweise ökologische Projekte in Mexiko.

Auch in Deutschland agieren engagierte Buddhisten. Es gibt unzählige Zusammenschlüsse und Vereine, die sich mit Hilfe für Länder in Tibet, Nepal oder Sri Lanka, Für Tierschutz, oder behinderte Kinder einsetzten. Dies sind nur einige Beispiele, und sollen das breite Spektrum aufzeigen, welches bei weiterer Recherche als noch breiter ergibt. Als Mittel werden also konkret Vereine (häufig sogar e. V.’s) gegründet um aktiv in der Gesellschaft zu helfen.

¹ http://www.wkup.org/about/five-mindfulness-trainings/, Eingesehen 23.05.2016

Weitere Quellen hierzu:

http://www.wkup.org/

http://buddhanetz.org/

http://www.bpf.org/